Schon immer wurde man verstört angeschaut, wenn zugegeben wurde, dass ich mich für den Chemie-Leistungskurs entschieden hatte. Klar, Formeln und gelegentliche Explosionen sind nicht jedermanns Sache. Aber soweit zu gehen und zu behaupten, Chemie sei „böse“ – ein Wort, welches ich ehrlich gesagt eigentlich nur im Zusammenhang mit Adolf Hitler oder Religion (der alte Fuchs lässt grüßen) gehört hatte – geht nun doch schon etwas weit. Den Lego-Baukasten haben eigentlich alle als Kinder verstanden – und Chemie ist da nicht viel anders. Und dennoch haben alle eine Heidenangst vor dem Fach und niemand weiß warum. Dementsprechend ist dann auch die Reaktion, wenn unsereiner dann auf die Frage der Facharbeit damit antwortet, dass er sie im Fach Chemie ablegen wird. Ja, ich schreibe meine Facharbeit in Chemie. Und um die Leute noch einen Grad stärker zu verunsichern sage ich ihnen dann auch auf Wunsch sofort mein Thema:

> Die Pyrolyse und die Optimierung der Pyrolyse der mit Saccharomyces cerevisiae versetzten cerealischen Viktualien <

Oder auf Deutsch: Ich verbrenne Brot. Brot soll nämlich beim Verbrennen eine ähnlich hohe Energie freisetzen wie Holz. Eine erste Theorie geht sogar so weit, dass wenn alle Bäcker in Deutschland ihr Altbrot verfeuern würden, um aus der Energie neues Brot zu backen, könnte man sich ein ganzes AKW sparen. Und dann sind die Reaktionen der Leute doch schon etwas „positiver“. Immerhin gehöre ich ja noch zu den Leuten, die das Fach und damit auch das Thema frei wählen konnten und auch eigentlich wissen sollten, was sie da tun. Gerade Leute mit weniger Glück in der Themenauswahl beneiden einen ja darum. Aber ganz so einfach ist es natürlich nicht. Klar, der eine schreibt seine Facharbeit über den Weihnachtsmann, eine andere beschäftigt sich mit dem Märchen Rapunzel und ein Dritter behandelt die Flugbahnen von Wasserraketen. Solche Leute wissen eigentlich auch, was sie tun – in meinem Fall ist es schon etwas schwieriger.

Habt ihr schon Mal von einem Typen gehört, der Brot verbrennt, um Energie daraus zu gewinnen? Ich bis letzten Herbst auch nicht. Die Technik ist auch gerade mal seit Sommer 2010 in einer einzigen Bäckerei in Betrieb. Und dementsprechend gering ist auch der Wissensstand in dem Bereich. Auf der einen Seite ist dies natürlich umso reizvoller, weswegen ich ja auch das Thema gewählt habe. Auf der anderen Seite gibt es niemanden, die Schule natürlich am wenigsten, der einen Bombenkalorimeter hätte. Für alle die mit dem Begriff nichts anzufangen wissen: Mit dieser Bombe kann man den Brennwert von diversen Stoffen, z.B. Lebensmittel wie Brot, ermitteln. Einen geeigneten Ersatz konnte ich noch nicht finden – noch nicht.
Und ich lasse mich dadurch nicht verrückt machen. Sich von Chemie verstören lassen – ich doch nicht.

Nachtrag: Im WDR-Fernsehen gibt es am Dienstag 15. Februar 2011 ab 21:00 Uhr in der Sendung „Quarks & Co.“ einen Beitrag über den „Klimabäcker“ Roland Schüren, der mit unter anderem die Idee mit der Brotverbrennung hatte, allerdings mit etwas mehr Schwergewicht auf den Klimafolgen durch den Brotmüll.

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