Früher als gedacht aus der selbst gesetzten Blogpause zurück. Warum auch, wenn man selbst zu Weihnachten nicht von den Belangen der Umwelt befreit ist? Ist ja schließlich Weihnachten…

Der Verrat an der Religion zieht den Verrat an der Kultur nach sich. Die abendländische Kultur wird genau so lange leben wie die abendländische Religion.

– Gertrud von Le Fort

Grund für die abrupte Pausenunterbrechung ist eine angebliche „Enthüllung“ des alten Fuchs auf seinem Blog. Er will nämlich „aus geheimen Quellen“(sic!) irgendwelche, seiner Meinung nach, angeblich geheime Informationen zugespielt bekommen haben und hat diese dann in seinem neusten Eintrag zum Besten gegeben. Da mit „dem Goldenen Kalb„(sic!) nur ich gemeint sein kann (Anm.: es handelt sich um einen Insider-Witz aus dem Unterricht, den er aber auch in dem Beitrag anschneidet), beschuldigt er mich des „Verrats“(sic!) und will mir sogar einen „Skandal“(sic!) anheften. So weit so gut, paranoide Bemerkungen sind wir von ihm ja schon öfters gewohnt. Aber woran er seine Behauptungen jetzt festmachen will, oder wer seine angebliche Quelle sein soll, darüber verliert er leider kein einziges Wort. Klar, er nennt Wikileaks, aber die haben (noch) keine Informationen über mich veröffentlicht. Und schon gar keine geheimen, auch wenn der alte Fuchs das so gerne hätte.
Der erwähnte Beitrag ist hier nochmal zum nachlesen.

Da er aber um eine Stellungnahme bittet, und es ja schließlich Weihnachten ist, will ich mal nicht so sein und ihm den Gefallen tun:

– Ja, ich bin Messdiener seit meiner Kommunion im Jahre 2000. Ich wurde damals von einem Kollegen dazu überredet, mit dem ich mittlerweile sogar eine Gruppe leite. Dies habe ich auch nie bestritten.

– Falsch ist, dass dies alltäglich passiert. Immerhin ist meine Gruppe schon seit den Herbstferien in der wohl verdienten „Winterpause“. Und was das Dienen angeht: Zwar fällt gerade in der Weihnachtszeit etwas mehr Arbeit an, aber im restlichen Jahr bin ich vielleicht etwa höchstens einmal im Monat „im Einsatz“ – wenn überhaupt.

– Nein, in den Weihrauchfässern der katholischen Kirche ist auch wirklich Weihrauch drin! Dieses wird auf vorher, am besten auf offener Flamme, erhitzten Kohle gelegt und durch die Schwenkbewegungen des Thuriferar mit genügend Luft angereichert, wodurch der typische Rauch entsteht. Dies wird meines Wissens eigentlich auch in den meisten christlichen Kirchen der Welt praktiziert. Viele sagen dem Weihrauch auch heilende Kräfte zu. Aber ob es zu einer „Droge“(sic!), wie der alte Fuchs es schreibt, reicht, wage ich doch zu bezweifeln.

– Ich versteh aber auch gar nicht, was für ein „Skandal“ hier aufgefahren werden soll. Ich weiß, wie es zur Zeit um die Kirche steht. Aber anstatt wie eine feige Ratte das Schiff zu verlassen, bleibe ich weiter an Bord. Was das bringen soll, dass darf jeder für sich denken.
Komischer Weise gab es in „Neues aus der Anstalt“ im Oktober eine ähnliche Diskussion, auch wenn eher zum Thema CDU:


Die ersten 5 Minuten beschreiben in etwa den gleichen Disput. Man ersetze einfach die politischen Begriffe durch kirchliche – mit dem selben Ergebnis.

– Hatte ich schon erwähnt, dass sich „Messdienergruppenleiter“ und „Messdienergruppenstundenvorbereitungsdauermanaging“ viel besser auf einem Lebenslauf machen, als „Dauernörgler“ wie beim alten Fuchs?!

Natürlich wird sich der ein oder andere unkundige Leser nun fragen, ob das überhaupt vereinbar wäre, ein Sozialist und die Kirche. Zuerst sollte ich vielleicht festhalten, dass ich zwar für eine komplette Trennung von Kirche und Staat bin, dennoch sollte die Religionsfreiheit als ein unveräußerliches und uneingeschränktes Grundrecht im Staat vorliegen – Die Religion ist also Privatsache. Wenn aber jemand meint, auf die Bibel, den Koran oder auf ein anderes Gesetzestext seinen (Staats-)Eid ablegen zu müssen, der darf das meiner Meinung nach auch gerne machen.
Auf der anderen Seite war die Christliche Urgemeinschaft durchaus Sozialistisch ausgeprägt. Auf die schnelle fällt mir da nur der Ausschnitt aus der Apostelgeschichte 4,32-37 ein. Besonders Bibelkundige dürfen in den Kommentaren weitere Beispiele aufführen.
Was die „Kirche“ dann später daraus gemacht hat, das steht auf einem anderen Blatt und man darf es bewerten, wie man will. Nicht umsonst sagten schon damals Zeitgenossen, dass die Christen Konstantin mehr fürchten als Nero.

Jetzt bleibt natürlich noch offen, wie der Einzelne zur Religion und zur Religiösität steht. Ich für meinen Teil zitiere in der Hinsicht auch gerne Mal den alten Marx, der dazu unter anderem geschrieben hat:

Der Mensch macht die Religion […] Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.

Es bleibt also jedem für sich überlassen, wie der Einzelne damit umgeht. Aber wenn der alte Fuchs lieber bei seiner Ersatzreligion des „Rumnörgeln“-s und des „Dagegensein“-s bleiben will – Ich werde der Letzte sein, der ihn daran hindert. Oder es nochmal mit von Le Fort zu sagen:

Die abendländische Kultur wird genau so lange leben wie die abendländische Religion.

Und dabei ist es sogar egal, ob man das Weihrauchfass schwingt oder sich darüber aufregt. Vielleicht war der alte Fuchs es ja selber, der da am Ende auf der Holzbank in der Kirche gesessen und mich dabei gesehen hat. Man weiß es nicht…

In dem Sinne: Einen guten Rutsch!

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