Die Castoren rollen wieder. So hieß es in den vergangenen Tagen in den Nachrichten, als wieder in Castor-Behälter abgefüllter Atommüll auf den Schienen Richtung Gorleben war. Dieser Atommüll ist hoch radioaktiv und dementsprechend gefährlich. Deswegen zog es wieder tausende von Leuten auf die jeweiligen Schienen und auf die Straßen, die für den Transport vorgesehen waren, um gegen diesen Transport zu demonstrieren. Darüber wird auch ausgiebig in den Nachrichten berichtet. Darüber wissen eigentlich alle Bescheid.

Doch wo genau diese Behälter dann genau hin kommen, dass scheinen nur die allerwenigsten zu wissen.

In einer kleinen und natürlich nicht repräsentativer Umfrage wollte ich einige meiner Bekannten, Freunde und Schulkameraden spontan testen, ob sie denn wüssten, was mit den Behältern passiert, wenn sie denn in Gorleben ankommen. Die üblichen Verdächtigen gaben natürlich spontan an, dass sie keine Ahnung hätten, beziehungsweise sich dafür nicht sonderlich interessieren. Besonders intelligent fand ich persönlich ja die Antwort, dass die Behälter „in ein Atommülllager auf einem dreieckigem Grundstück“ (sic!) gebracht werden…

Aber Spaß beiseite. Wäre ja nicht so, dass die Dinger für mehrere Millionen Jahre gefährlich vor sich hin strahlen.

Der Großteil wiederum antwortete mit ‚Zwischenlager, in dem Salzstock‘ oder auch ‚Unter die Erde‘. Sie waren sich sicher, dass die Behälter, so wie sie da ankommen, in ein Salzstock gebracht werden und vergraben werden. Ehrlich gesagt gehörte ich vor ein paar Tagen selbst noch zu dieser Fraktion.

Der Teufel liegt nämlich im Detail: Natürlich werden die Castoren in das „Zwischenlager“ Gorleben gebracht. Aber das „Zwischenlager“ ist keinesfalls ein Salzstock. Die Castoren werden nämlich in eine an einer Straße gelegenen grüne Halle, die aussieht wie aus Blech, gebracht. Diese grüne Halle ist das Zwischenlager, sie und nichts anderes. Dort stehen die Castoren überirdisch und strahlen erst einmal aus, für die nächsten 30-40 Jahren. Von einem gar unterirdischem Salzstock ist da nicht die Rede.

Natürlich denken die Meisten, dass die Castoren längst verbuddelt seien. Sogar Bewohner des Wendlands sind da keine Ausnahme.

Dabei sind die tonnenschweren Castor-Behälter überhaupt nicht dazu geeignet, für die Endlagerung benutzt zu werden. Denn im Zwischenlager soll der Atommüll in den Behältern nur ein wenig auskühlen. In frühestens circa 30 Jahren sollen sie dann geöffnet und der Müll in kleinere „Pollux“-Behälter (sic! Man denke da an „Castor“ und „Pollux“) umgebettet werden. Castor ist hier eigentlich nichts anderes als ein Akronym für „cask for storage and transport of radioactive material“, also auf Deutsch „Fass zur Lagerung und zum Transport radioaktiven Materials“.

Diese kleineren Behälter sollen dann in den einen Kilometer entfernten Salzstock hinab gelassen werden (Natürlich nur in dem Fall, dass bis dahin der Salzstock als Endlager genehmigt worden ist). Doch bis heute ist kein einziger Castor im Salzstock! Es gibt zurzeit nicht einmal ein Verfahren, wie die Castoren in 30 Jahren geöffnet werden sollen, damit der Müll in die Pollux-Behälter wandert. Dieses Verfahren soll erst in den nächsten Jahrzehnten entwickelt werden.

Als ich das die letzten Tage erfahren habe, habe ich mir auch erst einmal verwundert die Augen gerieben. Aber es ist schon erstaunlich, dass im Grunde niemanden klar ist, dass dort kein Castor unter der Erde ist und dort die nächsten Jahrzehnte auch nicht hinkommen wird, weil nicht einmal das technische Verfahren dafür zur Verfügung steht, den Müll unter die Erde zu bringen!

Bei meiner kleinen Umfrage „wusste“ im Grunde nur einer der Befragten, dass der Salzstock nicht das „Zwischenlager“ ist und die Behälter oberirdisch gelagert werden. Aber schon schade mit anzusehen, dass die Republik offenbar glaubt, die Castoren seien unter der Erde. Die meisten werden, wie ich früher, sogar denken, Zwischenlager und Endlager seien identisch. Und, dass das Zwischenlager nur deshalb Zwischenlager heißt, weil es als Endlager noch nicht genehmigt ist. Und sie meinen immer den Salzstock.

Wie konnte es dazu kommen, dass im Grunde die ganze Republik kollektiv hinters Licht geführt wird?! Selbst wenn man sich die Nachrichten anschaut, stellt man hin und wieder fest, dass die Berichterstatter gerne mal keine Ahnung haben und die Tatsachen gerne mal verdrehen, wenn sie davon „berichten“, dass die Behälter direkt zum Salzstock gebracht werden.

Es handelt sich ja immerhin hierbei um hoch radioaktiven Müll, das größte Umweltproblem, das die menschliche Zivilisation jemals angerichtet hat!

Besonders schön ist natürlich, wenn auf einmal Politiker und selbsternannte „Experten“ darüber diskutieren „…ob das Zwischenlager als Endlager geeignet sei“ (sic!). Einen Teufel sollen sie tun, wenn sie das eigentliche Zwischenlager (also die Fabrikhalle) in ein „Endlager“ umwandeln wollen. Wenn sie überhaupt wissen würden, worüber sie da eigentlich diskutieren! Und solche Leute wollen unser Land leiten. Die, die eigentlich Ahnung von Allem haben wollen… Es sind im Grunde die selben, die nach noch mehr Atomkraft flennen!

Gut, jetzt könnte der ein oder andere hochmütig sagen, dass Gorleben weit weg und sowieso  relativ unbewohnt ist. Andererseits gibt es auch im westmünsterländischem Ahaus ein solches Lager. Im Grunde ist so etwas in ganz Deutschland denkbar, egal ob als Zwischen- oder Endlager. Es könnte uns nicht nur alle treffen; es betrifft uns schon alle! Und das müssen wir uns alle klar machen.

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