Das Spiel mit der Angst

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Wieder einmal ist es soweit: die Angst vor dem Terror macht die Runde. Alle brechen auf einmal wieder in wahlloser Hysterie aus, weil unser Innenminister de Maizière vor einer erhöhten Terrorgefahr warnt. Anscheinend gibt es konkrete Hinweise auf ein geplantes Attentat in Deutschland – noch Ende diesen Monats.

Natürlich sind Terroranschläge nicht runter zu spielen. Aber das gleich nach der besagten Pressekonferenz deutlich mehr Bombenalarme eingingen ist noch nicht so befremdlich, wie der Schrei nach mehr Sicherheit, der immer wieder gerne zu solchen Anlässen ausgerufen wird. Zu 9/11 will ja auch niemand was vorher gewusst haben…

Den Vogel abgeschossen hat diese Woche aber Rainald Becker, seit Januar 2009 stellvertretender Chefredakteur Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio mit den Fachgebieten Bundespräsident, Bundestags- und Bundesratspräsident sowie Kanzleramt. Dieser hat nämlich gestern Abend, am 18.11., in den Tagesthemen als Kommentar zu dem Thema das hier gesagt:

Zum mitlesen:

Was Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Bürger angeht, sollten wir uns an den USA orientieren. Telefonüberwachung, Onlinedurchsuchung, Datenspeicherung und ab und zu ein Fingerabdruck, das ist kein Teufelszeug. Wer das nicht will, kann sich ja zu Hause hinter dem Ofen verkriechen.

Die gesamten Tagesthemen gibt es hier.

Natürlich hätte man eine solche Ansage eher von FoxNews erwartet und nicht von den ARD-Tagesthemen, schlimm genug. Aber könnte endlich jemand solchen Leuten erklären, dass es die Vorratsdatenspeicherung in den USA nicht gibt! Ganz zu schweigen von den angeblichen Fingerabdrücken auf dem Personalausweis – auch nicht ab und zu. Hier wäre eine Orientierung an die USA sogar eher ein Schritt in die andere Richtung als gefordert. Andererseits läuft die Datenspeicherung in den USA weder mit richterlichen Beschluss ab, noch gibt es dort ein Gesetz dazu! So viel zum Thema „Rechtsstaat“ und „Vorbild“.

Schlimm genug, dass sich unsere Regierung, z.B. durch das SWIFT-Abkommen, dazu verpflichtet hat, den Amerikanern ungefragt eine Menge Daten zuspielen zu lassen.

Außerdem missfällt Vielen der Ton, in der Rainald Becker sein Anliegen darlegt.

Solche, die nicht gleich wie ein Pawlowscher Hund anfangen zu sabbern, wenn es um Vorratsdatenspeicherung und schärfere Sicherheitsgesetze geht. Der FDP und all den anderen, die gern und schnell das hohe Lied von Bürgerrecht und Datenschutz singen, sei hier gesagt: “Bitte übertreibt es nicht!”.

Viele rufen schon spontan dazu auf, eine Ofen-Attrappe zum ARD-Haupstadtstudio zu schleppen und dahinter das hohe Lied von Bürgerrecht und Datenschutz zu singen. Und das sich die Familie Schäuble nun auch beim SWR, wo ja auch der Herr Becker arbeitet, einnistet, überrascht bei solchen Meldungen wohl kaum noch.

 

Aber zurück zur wirklichen Realität, denn immerhin gab es am Mittwoch eine Bombenwarnung in Namibia. Immerhin wussten US-Behörden schon lange vor den deutschen Kollegen, dass es sich hierbei um eine in Amerika hergestellte Attrappe, ein sogenannter ‚Realtest-Koffer‘ handelt, der einfach nur dazu dient, die Sicherheitsbehörden am Flughafen zu testen. Unsere Behörden und der Innenminister wussten anscheinend nichts von diesem Testlauf, was sie aber nicht davor bewahrt hat diesen ‚Vorfall‘ groß publik zu machen. Selbst BKA-Beamte sind umgehend nach Namibia geflogen, um „den Fall zu untersuchen“ (sic!). Immerhin sickern jetzt von Behördenseiten nur noch wenige Informationen zu diesem Thema durch.

Doch wer glaubt, dass die Forderungen nach mehr Sicherheit schon bald verstummen werden und deswegen kaum Einfluss haben werden, der irrt. Den sie nehmen schon heute Einfluss, wie ich erst letztens in Fefes Blog lesen durfte. Erst letztens nämlich hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück Wohnungen von Trojaner-Opfern von der Polizei durchsuchen  und deren Rechner beschlagnahmen lassen. In dem Artikel heißt es unter anderem:

Zur Begründung führten die Polizisten an, S. habe sich offensichtlich Malware eingefangen. Der Durchsuchungsbeschluss sprach von Malware-Verbreitung via Facebook und einem „Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf Ausspähens von Daten, der Datenveränderung u.a.“ Allerdings, so stellte sich später heraus, fungierte kein Rechner des Durchsuchten als Zombie, über den Straftaten begangen wurden. Und man wollte auch nicht prüfen, ob der Besitzer diese Straftaten selbst beging. Vielmehr hatte das Amtsgericht den Durchsuchungsbeschluss nur deshalb ausgestellt, weil Ermittler den Download einer als JPEG-Bild getarnten Malware auf dessen Rechner registrierten.

Nochmal zum Genießen : Da wurde einer wegen eines Downloads belangt und gefilzt, der damit noch nicht mal eine Urheberrechtsverletzung begangen hat! Der unrechtmäßig Beschuldigte arbeitet übrigens als Malware-Analyst, d.h. der untersucht beruflich Malware.

Dabei war das keinesfalls ein bedauerliches Missverständnis. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück teilte nämlich der Zeitschrift Telepolis auf Nachfrage folgendes mit:

dass Durchsuchungen bei Unbeteiligten nach §105 StPO zulässig sind.

Und zwar, weil:

In der Vergangenheit, so der zuständige Richter, hätten Trojaneropfer „Datenträger nicht freiwillig herausgegeben“, „oder aber erst nach vorheriger Löschung von Daten (privaten Bildern, privaten Texten, Dateien, bei denen der Zeuge befürchtete, sich der Strafverfolgung auszusetzen, wie z. B. Tauschbörsenprogrammen)“.

Und gerade deshalb dürfen wir Behörden keinesfalls Zugang auf unsere Vorratsdaten geben. Schlimm genug, was die schon ohne anrichten!

Aber kein Grund zur Panikmache: angeblich gelten Festplatten mit Passwörter ab 10 Stellen für unsere Polizisten als unknackbar.

In eigener Sache: Besucher #1000

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Ein kleiner Blogeintrag in eigener Sache:

Heute gibt es einigen Anlass zum feiern:
Zuerst natürlich der Weltmeistertitel von Sebastian Vettel in der diesjährigen Formel1-Saison. Nicht nur, dass er somit auch der jüngste Weltmeister aller Zeiten ist, er hat ihn vor allem sportlich geholt. Meinen Glückwunsch dazu!

Der andere Anlass seid ihr treuen Leser! Heute hat nämlich Besucher Nummer 1000 diesen Blog besucht und auch gelesen. Vielen Dank dafür. Macht weiter so!

Euer Michael

Die Legende vom Salzstock

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Die Castoren rollen wieder. So hieß es in den vergangenen Tagen in den Nachrichten, als wieder in Castor-Behälter abgefüllter Atommüll auf den Schienen Richtung Gorleben war. Dieser Atommüll ist hoch radioaktiv und dementsprechend gefährlich. Deswegen zog es wieder tausende von Leuten auf die jeweiligen Schienen und auf die Straßen, die für den Transport vorgesehen waren, um gegen diesen Transport zu demonstrieren. Darüber wird auch ausgiebig in den Nachrichten berichtet. Darüber wissen eigentlich alle Bescheid.

Doch wo genau diese Behälter dann genau hin kommen, dass scheinen nur die allerwenigsten zu wissen.

In einer kleinen und natürlich nicht repräsentativer Umfrage wollte ich einige meiner Bekannten, Freunde und Schulkameraden spontan testen, ob sie denn wüssten, was mit den Behältern passiert, wenn sie denn in Gorleben ankommen. Die üblichen Verdächtigen gaben natürlich spontan an, dass sie keine Ahnung hätten, beziehungsweise sich dafür nicht sonderlich interessieren. Besonders intelligent fand ich persönlich ja die Antwort, dass die Behälter „in ein Atommülllager auf einem dreieckigem Grundstück“ (sic!) gebracht werden…

Aber Spaß beiseite. Wäre ja nicht so, dass die Dinger für mehrere Millionen Jahre gefährlich vor sich hin strahlen.

Der Großteil wiederum antwortete mit ‚Zwischenlager, in dem Salzstock‘ oder auch ‚Unter die Erde‘. Sie waren sich sicher, dass die Behälter, so wie sie da ankommen, in ein Salzstock gebracht werden und vergraben werden. Ehrlich gesagt gehörte ich vor ein paar Tagen selbst noch zu dieser Fraktion.

Der Teufel liegt nämlich im Detail: Natürlich werden die Castoren in das „Zwischenlager“ Gorleben gebracht. Aber das „Zwischenlager“ ist keinesfalls ein Salzstock. Die Castoren werden nämlich in eine an einer Straße gelegenen grüne Halle, die aussieht wie aus Blech, gebracht. Diese grüne Halle ist das Zwischenlager, sie und nichts anderes. Dort stehen die Castoren überirdisch und strahlen erst einmal aus, für die nächsten 30-40 Jahren. Von einem gar unterirdischem Salzstock ist da nicht die Rede.

Natürlich denken die Meisten, dass die Castoren längst verbuddelt seien. Sogar Bewohner des Wendlands sind da keine Ausnahme.

Dabei sind die tonnenschweren Castor-Behälter überhaupt nicht dazu geeignet, für die Endlagerung benutzt zu werden. Denn im Zwischenlager soll der Atommüll in den Behältern nur ein wenig auskühlen. In frühestens circa 30 Jahren sollen sie dann geöffnet und der Müll in kleinere „Pollux“-Behälter (sic! Man denke da an „Castor“ und „Pollux“) umgebettet werden. Castor ist hier eigentlich nichts anderes als ein Akronym für „cask for storage and transport of radioactive material“, also auf Deutsch „Fass zur Lagerung und zum Transport radioaktiven Materials“.

Diese kleineren Behälter sollen dann in den einen Kilometer entfernten Salzstock hinab gelassen werden (Natürlich nur in dem Fall, dass bis dahin der Salzstock als Endlager genehmigt worden ist). Doch bis heute ist kein einziger Castor im Salzstock! Es gibt zurzeit nicht einmal ein Verfahren, wie die Castoren in 30 Jahren geöffnet werden sollen, damit der Müll in die Pollux-Behälter wandert. Dieses Verfahren soll erst in den nächsten Jahrzehnten entwickelt werden.

Als ich das die letzten Tage erfahren habe, habe ich mir auch erst einmal verwundert die Augen gerieben. Aber es ist schon erstaunlich, dass im Grunde niemanden klar ist, dass dort kein Castor unter der Erde ist und dort die nächsten Jahrzehnte auch nicht hinkommen wird, weil nicht einmal das technische Verfahren dafür zur Verfügung steht, den Müll unter die Erde zu bringen!

Bei meiner kleinen Umfrage „wusste“ im Grunde nur einer der Befragten, dass der Salzstock nicht das „Zwischenlager“ ist und die Behälter oberirdisch gelagert werden. Aber schon schade mit anzusehen, dass die Republik offenbar glaubt, die Castoren seien unter der Erde. Die meisten werden, wie ich früher, sogar denken, Zwischenlager und Endlager seien identisch. Und, dass das Zwischenlager nur deshalb Zwischenlager heißt, weil es als Endlager noch nicht genehmigt ist. Und sie meinen immer den Salzstock.

Wie konnte es dazu kommen, dass im Grunde die ganze Republik kollektiv hinters Licht geführt wird?! Selbst wenn man sich die Nachrichten anschaut, stellt man hin und wieder fest, dass die Berichterstatter gerne mal keine Ahnung haben und die Tatsachen gerne mal verdrehen, wenn sie davon „berichten“, dass die Behälter direkt zum Salzstock gebracht werden.

Es handelt sich ja immerhin hierbei um hoch radioaktiven Müll, das größte Umweltproblem, das die menschliche Zivilisation jemals angerichtet hat!

Besonders schön ist natürlich, wenn auf einmal Politiker und selbsternannte „Experten“ darüber diskutieren „…ob das Zwischenlager als Endlager geeignet sei“ (sic!). Einen Teufel sollen sie tun, wenn sie das eigentliche Zwischenlager (also die Fabrikhalle) in ein „Endlager“ umwandeln wollen. Wenn sie überhaupt wissen würden, worüber sie da eigentlich diskutieren! Und solche Leute wollen unser Land leiten. Die, die eigentlich Ahnung von Allem haben wollen… Es sind im Grunde die selben, die nach noch mehr Atomkraft flennen!

Gut, jetzt könnte der ein oder andere hochmütig sagen, dass Gorleben weit weg und sowieso  relativ unbewohnt ist. Andererseits gibt es auch im westmünsterländischem Ahaus ein solches Lager. Im Grunde ist so etwas in ganz Deutschland denkbar, egal ob als Zwischen- oder Endlager. Es könnte uns nicht nur alle treffen; es betrifft uns schon alle! Und das müssen wir uns alle klar machen.

Apokalypse

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Ich will Ferien!

Ein Faktum, der leider nicht schnell genug umgesetzt werden kann. Die Herbstferien sind noch nicht so lange her und bis zu den Weihnachtsferien ist noch ein gutes Stück hin. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Lehrer dem bevorstehendem Quartalsende entgegen wirken wollen und quasi alle, aber natürlich jeder für sich, beschlossen haben uns Schüler mal wieder richtig herauszufordern. Für uns heißt das natürlich: Noch mehr zu tun.

Dazu kommt noch, dass ich diesen Freitag wieder nominell um ein ganzes Jahr älter werde und das Wetter draußen auch nicht gerade für Ausbrüche der Jugendlichkeit sorgen kann. Es wirkt halt alles zusammen wie eine kleine Apokalypse.

Apropos Schule und Apokalypse: Als wir von unserer Schule aus letzten Donnerstag in Münster waren, fand ich dort eine in eine Häuserwand etwas höher eingelassene Steintafel gegenüber der Bezirksregierung. In der war einfach nur

24.8.2012

eingemeißelt. Hat da etwa jemand versucht Maya-Kalender zu spielen?! Man weiß es nicht… Das Bild dazu habe ich zwar verlegt, reiche das aber bei Wiederfund nach.


Und da niemand gerne in einer Apokalypse lebt, ich am aller wenigstens, flüchtet man gerne woanders hin. Warum nicht mal in ein post-nukleare Setting mit großen, verwüsteten Städten? Zwar möchte niemand da wirklich wohnen, das ist klar. Und Spiele wie das neue Fallout: New Vegas sind nicht so mein Ding, dass sei aber dem Spielprinzip geschuldet. Dafür erzählen aber die meisten Geschichten von spannenden Charakteren, die in einer unwirklichen, kaputten und mit Mutanten verseuchten Welt ums Überleben kämpfen.

Ein solcher Charakter ist der ‚Captain‘ aus dem Web-Comic Romantically Apocalyptic des russischen Illustrators Vitaly S Alexius. Der Captain ist nämlich ein naiver, sarkastischer und irgendwo noch sympathischer Anführer seiner kleinen Drei-Mann-Armee. Mit dieser erlebt er überaus abstruse und stets genial in Szene gesetzte und auch wirklich genial gezeichnetes Comic-Abenteuer – Also genau richtig für diese verregneten und kalten Herbsttage.

Wer also noch nach einer Zwischenbeschäftigung sucht und Comics mit sarkastischem Humor nicht ganz abgeneigt ist, dem würde ich empfehlen sich Romantically Apocalyptic mal anzuschauen. Immerhin wird etwa alle 3Tage eine neue Episode online gestellt und ein Ende ist bisher nicht in Sicht.

Ich für meinen Teil muss nun wieder zurück in meine persönliche Apokalypse, Schulaufgaben machen.

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