Zum Bundesfinanzministerium hat die Künstlerin Christin Lahr eine besonders enge Beziehung, denn sie schenkt dem Staat Kunst. Und nicht irgendwelche Kunst. Seit Mai letzten Jahres überweist die Künstlerin täglich genau einen Cent an das Ministerium und schickt ein paar Worte aus dem „Kapital“, von Karl Marx, mit. Die ganze Aktion nennt sie „Macht Geschenke!“ und richtet sich ganz nach dem Leitspruch „Geben ist seliger denn nehmen“.
Damit schleust sie nicht nur ihre Kritik am Finanzsystem direkt in die Staatsverwaltung ein, sie nutzt dafür das System selbst. Denn wie Karl Marx schon wusste,

Der Trieb der Schatzbildung ist von Natur maßlos. Qualitativ oder seiner Form nach ist das Geld schrankenlos.

sind Konten für eingehendes Geld immer offen. Und weil die Konten offen sind, so Lahr, lasse sich die Verwaltung durch kostenlose Online-Überweisungen ohne Aktenzeichen lahmlegen. Denn, was wie eine milde Wohltat und Spende aussieht, kostet. Denn die Spenden müssen verbucht werden in einer Buchhaltung mit genügend Buchhaltern, die teures Steuergeld kosten. Das ist eine Sicherheitslücke, vor allem bei einem Staatskonto. Denn für die Überweisungen aller Bundesministerien gibt es nur ein Konto. Und wenn dort nicht nur täglich einmal ein Cent überwiesen wird, dann wäre binnen kürzester Zeit die Verwaltung des Staates nicht mehr arbeitsfähig!

Wir müssen nicht gleich mit terroristischen Akten drohen. Aber wenn wir in Zukunft mit Online-Überweisungen statt nur mit Transparenten demonstrieren, dann hat die Verwaltung ein Problem.

Da bei der Überweisung nur 108 Zeichen zur Verfügung stehen, die dadurch transportiert werden können, dann wird das etwa 43 Jahre und drei Monate dauern, bis das gesamte „Kapital“ im Finanzministerium angekommen ist. Etwa 157 Euro wird sie das bis 2052 gekostet haben.

Also: Wenn ihr mal wieder demonstrieren wollt, erinnert den Staat mit einem Cent, wer hier wem eigentlich was zu sagen hätte! Denn wie Karl Marx schon schrieb

Bürokratie gilt sich selbst als der letzte Endzweck des Staats

Auch 3sat hat sich mit diesem Thema beschäftigt. Den Videobeitrag dazu gibt es auch in der ZDF-Mediathek.

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