Am Samstag Mittag erreichte mich eine Nachricht, die mich zu tiefst erschüttert und auch berührt hat: Am 10. April 2010 verunglückte ein Flugzeug, eine Tupolew Tu-154, der polnischen Regierung während des Landeanflugs bei dichtem Nebel am Militärflughafen von Smolensk, wobei keiner der 96 Fluginsassen überlebte, darunter auch der polnische Präsident Lech Kaczyński und ein Großteil der Elite des Landes. Eine Nachricht, die mich also nicht nur wegen meiner polnischen Wurzeln trifft, sondern auch vor dem Schock, dass der Tod uns alle ereilen kann und seien wir noch so mächtig und wichtig wie die Leute der Unglücksmaschine.

In Polen hat nun der Sejmmarschall, Bronislaw Komorowski, geschäftsführend die Aufgaben des Staatsoberhaupts übernommen. Es wurde für eine ganze Woche Staatstrauer ausgerufen.

Aber das Unglück von Smolensk hat mittlerweile eine andere Dimension angenommen, die vorher nicht so denkbar gewesen wäre. Der Flugzeugabsturz einigt nämlich nicht nur die politisch zerstrittenen Lager in Polen und somit das gesamte Land, auch außenpolitisch scheinen Polen und Russland durch das Unglück näher zusammen gerückt zu sein. Polen trauert, und die Russen mit ihnen. Sei es durch die schnelle Reaktion der Russen auf den Vorfall und das Versprechen, alles so schnell wie möglich aufzuklären, oder die öffentliche Trauer in Russland, die einen ihrer Höhepunkte am Montag fand, als der russische Präsident Medwedew Staatstrauer ausrief. Für die Polen ist diese neue Situation, diese Nähe zu den Russen, völlig ungewohnt. Dies zeigte sich unter anderem als Wladimir Putin, der die Leitung an der Aufklärungsarbeit persönlich übernommen hat, seinen polnischen Amtskollegen Donald Tusk mit einer Umarmung überraschte und dieser nicht so richtig wusste, was da vor sich ging und die Umarmung so quasi misslingte.

Foto: AFP

Dennoch hat diese Geste seinen Symbolwert nicht verfehlt.

Aber viele Polen fragen sich zu Recht, ob bei einer ähnlicher Situation, wenn zum Beispiel eine ähnliche russische Delegation, wie die der polnischen, in Polen abgestürzt wäre, ob das polnische Volk genauso mit trauern würde wie die Russen es tun. Viele glauben nicht. Deswegen ist es für sie umso erstaunlicher, was die Russen in der schwersten Stunde der Nachkriegszeit, wie Tusk es nannte, für sie tun.

So darf man zum Beispiel auch nicht auslassen, dass sofort nach dem Bekanntwerden der Katastrophe Russland den Angehörigen der Verstorbenen einen schnellen Überflug, eine schnelle Hilfe bei der Identifikation und Unterkunft zusicherte; und das alles kostenfrei!

Was bleibt ist die Frage, ob die engeren Beziehungen nun nur ein kurzes Schnellfeuer oder doch etwas dauerhaftes werden. Auf jeden Fall wäre es den beiden Ländern, denen die gegenseitig angespannte Beziehung schon zum Dauerzustand geworden sind, zu wünschen, dass man sich endlich wieder verbrüdert. Polen ist nämlich wieder dabei sich zu spalten bei der Frage, wo Lech Kaczyński nun begraben werden soll. Und so scheint die vorzeitige innerpolitische Einheit nach nicht mal einer Woche wieder auseinander zu reißen.

Auch ich persönlich halte die Entscheidung, das Präsidentenpaar auf dem Wawel in Krakau beizusetzen, geradezu übertrieben und absurd. Er ist zwar tragisch umgekommen, gibt dem Parlament aber noch lange nicht das Recht ihn durch ein Begräbnis neben den größten der Polnischen Geschichte zu einem Nationalhelden hochzustufen. Denn das hat er, bei allen Ehren um die Toten, einfach nicht verdient. Er, der sowieso im Herbst abgewählt worden wäre, führte Polen während seiner Regentschaft zu einer Isolation und ihm war sein ideologischer Dickkopf wichtiger als alles andere. Er hatte zwar immer das Beste für sein Heimatland im Sinn, und deswegen gebührt ihm auch ein Platz in der Geschichte, aber bitte nicht neben den Helden der Nation.

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