Ein Phänomen unserer Zeit. Quasi jeder ‚moderne Mensch‘ scheint ihr verfallen zu sein oder kennt doch mindestens eine Person aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis, die nicht mehr von ihr lossagen möchten: Das Web 2.0

Schon allein der Name verspricht ihrem Benutzer das Blaue vom Himmel. 2.0, das steht für viele vor allem für Innovation, Eigeninitiative, Selbstverwirklichung. Die meisten vergessen dabei aber doch allzu oft die Kehrseite der Medaille. Bestes Beispiel dafür ist das Flaggschiff des Web 2.0, das fleischgewordene Phänomen unter den Sozialen Netzwerken, Facebook.

Ursprünglich als Netzwerk für Studenten von Mark Zuckerberg gegründet, ist es mittlerweile eine großartige Spielwiese, um soziale Kontakte aus der ganzen Welt auch auf die virtuelle zu übertragen oder gar dort neue Kontakte zu Leuten aufzubauen, die man vorher noch nie getroffen hat, vielleicht auch nie treffen wird. Da Facebook nach eigenen Angaben derzeit 400 Millionen aktive Mitglieder weltweit verbucht, eigentlich keine schlimme Sache. Auch ich konnte es mir nehmen, mich dort einmal umzusehen. Und wie gedacht, ist Facebook nichts anderes, als mein alt-bekanntes SchülerVZ, halt in einem anderen Gewand, mit den selben Regeln und den selben ‚No-Go’s:

Und dennoch ist Facebook was ganz anderes. Natürlich, es ist globaler und auch weltweit bekannt, genauso bekannt sind aber mittlerweile auch die Vorwürfe gegenüber Facebook Inc. Denn wie bekannt wurde, möchte Facebook seine Datenschutzrichtlinien ändern, um so die Privatsphäre der einzelnen Benutzer weiter runter zu drehen. Dass der Mark Zuckerberg die ‚Zeit der Privatsphäre‘ für beendet erklärt hat, ist ja nichts neues. Auch, dass seine privaten Photos aus seinem eigentlich halb-öffentlichen Profil im Netz kursieren, ist nichts außergewöhnliches mehr. Mit den neuen Datenschutzrichtlinien erlaubt sich Facebook aber alle nur denkbaren privaten Daten, wie Alter, Geschlecht, Wohnort, PC-Standort etc., an Dritte weiterleiten zu dürfen, ohne die Benutzer zu informieren.

Zwar sind die neuen Richtlinien noch nicht verbindlich, dennoch sorgen sie jetzt schon für genügend Zündstoff, auch in der Politik. Wie Spiegel online heute meldet, zieht unsere Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner auch nun gegen Facebook in den Kampf und droht dem Gründer und Inhaber von Facebook ihren Facebook-Account zu löschen, sollte Facebook von seinen neusten Vorhaben nicht abtreten.

Aber auch schon die jetzigen Datenschutzrichtlinien sind für jeden Datenschützer ein Dorn im Auge. Aber nicht nur das, Facebook sammelt auch Daten von Nicht-Mitgliedern. Wie die Blogger von YuccaTreePost in einem Selbstversuch bewiesen haben, ist Facebook jetzt nämlich schon dabei seine Spitznamen ‚Datenkrake‘ und ‚Datenschleuder‘ aller Ehren zu machen. Nicht nur, dass vollständiger Name und Emailadresse für jedermann zugänglich sind, Facebook kooperiert nun auch schon mit Emaildiensten wie GMX, die beim versenden jeder Email von oder zu einer Adresse von dem Anbieter verschiedenste Daten ungefragt an Facebook liefert, egal ob man selber Mitglied bei Facebook ist, oder nicht. Zum Glück habe ich noch nichts ähnliches von meinem Anbieter gehört, sonst wäre ich schon längst gewechselt. Wer mehr wissen will, was Facebook über Nicht-Mitglieder weiß, liest am besten den Artikel von heise-online.

Facebooks Vorgehen scheint aber ein lukratives Geschäftsmodell zu sein, denn schon eine andere große Internetgröße hat sich ihrer bedient.

Und genauso wie Facebook nutzt Google seine Monopolstellung gnadenlos aus. Kein Wunder, wie ich finde, denn die Mutter aller ‚Datenkraken‘ nutzen auch etwa 75% aller Internetuser, darunter auch meine Wenigkeit. Mir macht es aber nichts aus, wenn Google sich merkt, welche Suchbegriffe ich eingegeben habe oder welche Videos ich auf Youtube schaue. Denn im Gegensatz zu Facebook gibt Google weder Daten an Dritte weiter noch sind die Daten nicht besonders privat, anders als in den sozialen Netzwerken.

Google scheint aber aus Facebook schlauer geworden zu sein und ist wohl mittlerweile dabei um zu denken. So fragt Google nochmal alle Buzz-Anwender, ob die Einstellungen dafür auch so in Ordnung sind, nachdem es deswegen heftig in der Kritik stand. Für mich ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn mir davon nichts bleibt, denn Google speichert immer noch meine Suchanfragen.

Was bleibt ist kein moralischer Fingerzeig, oder gar die Heraufbeschwörung des Bösen im Web, sondern einfach nur der Hinweis und eine Zusammenfassung, was mit euren Daten passiert. Denn auch ich nutze weiterhin Facebook und möchte mich nicht lossagen vom Web 2.0.

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