Lektüre für Nichtleser

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Unsere Welt wird immer komplizierter, immer hektischer. Nicht nur, aber gerade in der Großstadt. Wer hat da noch wirklich Zeit sich mal hin zu setzen, um einen großen Roman zu lesen? Nun ja, der Autor Michael Bukowski hat keine Zeit welche zu schreiben. Und da zieht er die Konsequenz. Er schreibt kleine, meist witzige und in mundgerechte Häppchen zerlegte Geschichten für zwischendurch, nebenbei und unterwegs – eben für Nichtleser.

Dabei schreibt der gebürtige Berliner in den kleinen Geschichten nicht nur von einem Freundeskreis in der Welt der Berliner Medien-Radikalen und Gastronomie-Experten rund um das selbst ernannte Projekt-Oberhirn Grabowski, sondern bedient auch so ziemlich viele Klischees des neuen Berlins. Das Berlin des Fortschritts, der Kreativen, der Lebenskünstler und der Möchtegerne. Die Charaktere sind dabei genauso wie die Geschichten selbst, spritzig und auch leicht verrückt. Da wären zum Beispiel Grabowski, der Mann, der länger am Tresen sitzt, als dieser lang ist, Long Dong Copy, Werbetexter, um dessen Slogan-Länge sich Gerüchte ranken oder Charming Heinz, Fachwirt für schlechte Laune, Mitglied im Verband der deutschen Fachwirte für schlechte Laune e.V., die schon bei den Leseproben Lust auf mehr machen. Die Orte und Figuren beruhen nicht nur zum großen Teil auf realen Personen, Bukowski versucht auch einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt dieser Berliner nahe zu bringen:

Pornographie: Morgens um 8:00 Uhr im Supermarkt an der Käsetheke: Ich frage die Verkäuferin nach Roquefort. Sie antwortet, sie hätte keinen Rock vor, und weist dabei dümmlich grinsend auf ihre Hüftgegend. Eine zweite Verkäuferin, wenige Meter entfernt an der Fleischtheke, bricht in hysterisch-schrilles Gelächter aus. Morgens um 8:00 Uhr im Supermarkt. Daraufhin habe ich meine Dienstwaffe gezückt und die beiden ohne großes Brimborium erschossen.

Auch wenn die inzwischen 9 Bänder noch als Geheimtipp gelten, so erfreuen sie sich immer mehr größerer Beliebtheit. Genährt wird dies auch durch die Tatsache, dass es das aktuelle Band sogar im App-Store für wenig Geld zu kaufen gibt. Wer die Bukowski-Stories auch außerhalb des iPhones, als echtes Buch, lesen möchte, sollte sich diese am besten direkt auf seiner Homepage, wofür der Autor auch Mengen- und Schülerrabatt gibt, bestellen, da sie derzeit bei Amazon vergriffen sind.

Was bleibt ist euch, falls ich euer Interesse wecken konnte, noch viel Spaß mit den (Kurz-)Geschichten zu wünschen. Weitere Informationen und auch Leseproben findet Ihr natürlich auch auf der Homepage http://www.lektuere-fuer-nichtleser.de/

Der Absturz von Smolensk – Ein Neuanfang?

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Am Samstag Mittag erreichte mich eine Nachricht, die mich zu tiefst erschüttert und auch berührt hat: Am 10. April 2010 verunglückte ein Flugzeug, eine Tupolew Tu-154, der polnischen Regierung während des Landeanflugs bei dichtem Nebel am Militärflughafen von Smolensk, wobei keiner der 96 Fluginsassen überlebte, darunter auch der polnische Präsident Lech Kaczyński und ein Großteil der Elite des Landes. Eine Nachricht, die mich also nicht nur wegen meiner polnischen Wurzeln trifft, sondern auch vor dem Schock, dass der Tod uns alle ereilen kann und seien wir noch so mächtig und wichtig wie die Leute der Unglücksmaschine.

In Polen hat nun der Sejmmarschall, Bronislaw Komorowski, geschäftsführend die Aufgaben des Staatsoberhaupts übernommen. Es wurde für eine ganze Woche Staatstrauer ausgerufen.

Aber das Unglück von Smolensk hat mittlerweile eine andere Dimension angenommen, die vorher nicht so denkbar gewesen wäre. Der Flugzeugabsturz einigt nämlich nicht nur die politisch zerstrittenen Lager in Polen und somit das gesamte Land, auch außenpolitisch scheinen Polen und Russland durch das Unglück näher zusammen gerückt zu sein. Polen trauert, und die Russen mit ihnen. Sei es durch die schnelle Reaktion der Russen auf den Vorfall und das Versprechen, alles so schnell wie möglich aufzuklären, oder die öffentliche Trauer in Russland, die einen ihrer Höhepunkte am Montag fand, als der russische Präsident Medwedew Staatstrauer ausrief. Für die Polen ist diese neue Situation, diese Nähe zu den Russen, völlig ungewohnt. Dies zeigte sich unter anderem als Wladimir Putin, der die Leitung an der Aufklärungsarbeit persönlich übernommen hat, seinen polnischen Amtskollegen Donald Tusk mit einer Umarmung überraschte und dieser nicht so richtig wusste, was da vor sich ging und die Umarmung so quasi misslingte.

Foto: AFP

Dennoch hat diese Geste seinen Symbolwert nicht verfehlt.

Aber viele Polen fragen sich zu Recht, ob bei einer ähnlicher Situation, wenn zum Beispiel eine ähnliche russische Delegation, wie die der polnischen, in Polen abgestürzt wäre, ob das polnische Volk genauso mit trauern würde wie die Russen es tun. Viele glauben nicht. Deswegen ist es für sie umso erstaunlicher, was die Russen in der schwersten Stunde der Nachkriegszeit, wie Tusk es nannte, für sie tun.

So darf man zum Beispiel auch nicht auslassen, dass sofort nach dem Bekanntwerden der Katastrophe Russland den Angehörigen der Verstorbenen einen schnellen Überflug, eine schnelle Hilfe bei der Identifikation und Unterkunft zusicherte; und das alles kostenfrei!

Was bleibt ist die Frage, ob die engeren Beziehungen nun nur ein kurzes Schnellfeuer oder doch etwas dauerhaftes werden. Auf jeden Fall wäre es den beiden Ländern, denen die gegenseitig angespannte Beziehung schon zum Dauerzustand geworden sind, zu wünschen, dass man sich endlich wieder verbrüdert. Polen ist nämlich wieder dabei sich zu spalten bei der Frage, wo Lech Kaczyński nun begraben werden soll. Und so scheint die vorzeitige innerpolitische Einheit nach nicht mal einer Woche wieder auseinander zu reißen.

Auch ich persönlich halte die Entscheidung, das Präsidentenpaar auf dem Wawel in Krakau beizusetzen, geradezu übertrieben und absurd. Er ist zwar tragisch umgekommen, gibt dem Parlament aber noch lange nicht das Recht ihn durch ein Begräbnis neben den größten der Polnischen Geschichte zu einem Nationalhelden hochzustufen. Denn das hat er, bei allen Ehren um die Toten, einfach nicht verdient. Er, der sowieso im Herbst abgewählt worden wäre, führte Polen während seiner Regentschaft zu einer Isolation und ihm war sein ideologischer Dickkopf wichtiger als alles andere. Er hatte zwar immer das Beste für sein Heimatland im Sinn, und deswegen gebührt ihm auch ein Platz in der Geschichte, aber bitte nicht neben den Helden der Nation.

Facebook und die Datenschweinereien

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Ein Phänomen unserer Zeit. Quasi jeder ‚moderne Mensch‘ scheint ihr verfallen zu sein oder kennt doch mindestens eine Person aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis, die nicht mehr von ihr lossagen möchten: Das Web 2.0

Schon allein der Name verspricht ihrem Benutzer das Blaue vom Himmel. 2.0, das steht für viele vor allem für Innovation, Eigeninitiative, Selbstverwirklichung. Die meisten vergessen dabei aber doch allzu oft die Kehrseite der Medaille. Bestes Beispiel dafür ist das Flaggschiff des Web 2.0, das fleischgewordene Phänomen unter den Sozialen Netzwerken, Facebook.

Ursprünglich als Netzwerk für Studenten von Mark Zuckerberg gegründet, ist es mittlerweile eine großartige Spielwiese, um soziale Kontakte aus der ganzen Welt auch auf die virtuelle zu übertragen oder gar dort neue Kontakte zu Leuten aufzubauen, die man vorher noch nie getroffen hat, vielleicht auch nie treffen wird. Da Facebook nach eigenen Angaben derzeit 400 Millionen aktive Mitglieder weltweit verbucht, eigentlich keine schlimme Sache. Auch ich konnte es mir nehmen, mich dort einmal umzusehen. Und wie gedacht, ist Facebook nichts anderes, als mein alt-bekanntes SchülerVZ, halt in einem anderen Gewand, mit den selben Regeln und den selben ‚No-Go’s:

Und dennoch ist Facebook was ganz anderes. Natürlich, es ist globaler und auch weltweit bekannt, genauso bekannt sind aber mittlerweile auch die Vorwürfe gegenüber Facebook Inc. Denn wie bekannt wurde, möchte Facebook seine Datenschutzrichtlinien ändern, um so die Privatsphäre der einzelnen Benutzer weiter runter zu drehen. Dass der Mark Zuckerberg die ‚Zeit der Privatsphäre‘ für beendet erklärt hat, ist ja nichts neues. Auch, dass seine privaten Photos aus seinem eigentlich halb-öffentlichen Profil im Netz kursieren, ist nichts außergewöhnliches mehr. Mit den neuen Datenschutzrichtlinien erlaubt sich Facebook aber alle nur denkbaren privaten Daten, wie Alter, Geschlecht, Wohnort, PC-Standort etc., an Dritte weiterleiten zu dürfen, ohne die Benutzer zu informieren.

Zwar sind die neuen Richtlinien noch nicht verbindlich, dennoch sorgen sie jetzt schon für genügend Zündstoff, auch in der Politik. Wie Spiegel online heute meldet, zieht unsere Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner auch nun gegen Facebook in den Kampf und droht dem Gründer und Inhaber von Facebook ihren Facebook-Account zu löschen, sollte Facebook von seinen neusten Vorhaben nicht abtreten.

Aber auch schon die jetzigen Datenschutzrichtlinien sind für jeden Datenschützer ein Dorn im Auge. Aber nicht nur das, Facebook sammelt auch Daten von Nicht-Mitgliedern. Wie die Blogger von YuccaTreePost in einem Selbstversuch bewiesen haben, ist Facebook jetzt nämlich schon dabei seine Spitznamen ‚Datenkrake‘ und ‚Datenschleuder‘ aller Ehren zu machen. Nicht nur, dass vollständiger Name und Emailadresse für jedermann zugänglich sind, Facebook kooperiert nun auch schon mit Emaildiensten wie GMX, die beim versenden jeder Email von oder zu einer Adresse von dem Anbieter verschiedenste Daten ungefragt an Facebook liefert, egal ob man selber Mitglied bei Facebook ist, oder nicht. Zum Glück habe ich noch nichts ähnliches von meinem Anbieter gehört, sonst wäre ich schon längst gewechselt. Wer mehr wissen will, was Facebook über Nicht-Mitglieder weiß, liest am besten den Artikel von heise-online.

Facebooks Vorgehen scheint aber ein lukratives Geschäftsmodell zu sein, denn schon eine andere große Internetgröße hat sich ihrer bedient.

Und genauso wie Facebook nutzt Google seine Monopolstellung gnadenlos aus. Kein Wunder, wie ich finde, denn die Mutter aller ‚Datenkraken‘ nutzen auch etwa 75% aller Internetuser, darunter auch meine Wenigkeit. Mir macht es aber nichts aus, wenn Google sich merkt, welche Suchbegriffe ich eingegeben habe oder welche Videos ich auf Youtube schaue. Denn im Gegensatz zu Facebook gibt Google weder Daten an Dritte weiter noch sind die Daten nicht besonders privat, anders als in den sozialen Netzwerken.

Google scheint aber aus Facebook schlauer geworden zu sein und ist wohl mittlerweile dabei um zu denken. So fragt Google nochmal alle Buzz-Anwender, ob die Einstellungen dafür auch so in Ordnung sind, nachdem es deswegen heftig in der Kritik stand. Für mich ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn mir davon nichts bleibt, denn Google speichert immer noch meine Suchanfragen.

Was bleibt ist kein moralischer Fingerzeig, oder gar die Heraufbeschwörung des Bösen im Web, sondern einfach nur der Hinweis und eine Zusammenfassung, was mit euren Daten passiert. Denn auch ich nutze weiterhin Facebook und möchte mich nicht lossagen vom Web 2.0.

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